Was tun ohne Arbeit?

Veröffentlicht auf von Werner

In den letzten Wochen habe ich vermehrt das Bedürfnis, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen, die das gleiche Schicksal teilen wie ich. Viele Leute, die noch arbeiten oder die zwar nicht mehr arbeiten, aber bereits gebrechlich sind, können meine Gedankengänge oft gar nicht nachvollziehen. Im Internet finde ich soziale Netzwerke, in denen sich auch Frührentner befinden, die durchaus noch fit sind.Genau das ist manchmal mein Problem: Nach 40 Jahren Arbeit denken wohl viele, es wäre toll, endlich nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber mit Mitte 50 bin ich einfach noch topfit und habe nun ohne Arbeit manchmal das Gefühl, nutzlos zu sein und meine Energie nicht effektiv bündeln zu können. Ich könnte Bäume ausreißen und habe gelegentlich den Eindruck, mich in einer Art blinden Aktionismus zu verlieren, nur um etwas zu tun zu haben. Denn nichts ertrage ich weniger als nichts zu machen und mich nutzlos zu fühlen. Es tut gut, sich im Chat mit best agern auszutauschen, die diese Problematik nur zu gut selbst kennen. Wenn ich meiner Frau von meiner unverbrauchten Energie erzähle und sogar sage, dass ich mir manchmal die Arbeit zurückwünsche, schaut sie mich an als wäre ich nicht mehr ganz zurechnungsfähig und meint, ich solle meine neue Freizeit doch zu schätzen wissen, denn nicht jedem ginge es mit Mitte 50 so gut. Ach ja, der Mensch ist schon ein kompliziertes Wesen und will wohl immer genau das, was er gerade nicht haben kann.

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